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  • Jan Koltze

Arbeit für den Frieden

Am Sonntag durfte ich beim Gottesdienst des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (KDA) zum 1. Mai in der Christuskirche Eimsbüttel ein Grußwort zum Thema "Arbeit für den Frieden halten" halten.

Hier im Wortlaut:

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gemeindemitglieder,

angesichts des grauenhaften Mordens in der Ukraine kann es leicht hohl und zynisch klingen, mit klugen Worten über Arbeit und Frieden und Solidarität zu sprechen. Doch gerade dort, wo kein Frieden herrscht, wird unsere Solidarität gebraucht, und zwar ganz praktisch und konkret. Sowohl in der Kirche, als auch in den Gewerkschaften gibt es eine klare Erkenntnis: Frieden, Gerechtigkeit und sozialer Zusammenhalt kommen nicht von selbst. Sie müssen immer wieder gemeinsam erkämpft und erarbeitet werden.

Ich will hier nicht die Diskussion darüber führen, welche Waffen wir liefern und welche Sanktionen wir verhängen sollten, aber ich will sagen, dass es mich sehr bewegt, wie viele Menschen hier die aus der Ukraine zu uns Geflüchteten ganz konkret unterstützen, ob Christ*innen oder Gewerkschafter*innen, ob mit Unterkunft, Spenden oder in anderer Weise.

Auch in den Gewerkschaften und in der Politik bewegt uns das, nicht zuletzt auch die Frage, wie diese Menschen hier gut in Arbeit integriert werden können, so sie das jetzt oder bald schon wollen. Praktische, gelebte Solidarität: Das ist es auch, was mich ganz persönlich trägt bei meiner Arbeit in Gewerkschaft und Politik.

„Arbeit für den Frieden“, das meint ja zweierlei: Zum einen das direkte Engagement für den Frieden unter den Menschen und Völkern, und zum anderen die Frage, was unsere tägliche Erwerbsarbeit in Büros, Fabriken, Krankenhäusern oder Kitas mit dem Frieden zu tun haben, ja für ihn bewirken kann.

Aus den 1980er Jahren erinnere ich den Spruch „Der Baum des Friedens wurzelt in Gerechtigkeit“, der, soweit ich weiß, auf Jesaja zurückgeht, bei dem es heißt: „… und der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein“. Die Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft und weltweit aber basiert ganz wesentlich darauf, wie wir unsere Arbeit, unsere gemeinsame, geteilte Arbeit gestalten.

„Gute Arbeit“, wie wir in der Gewerkschaft sagen, das bedeutet gute, faire, tarifliche Bezahlung, gute und gesunde Arbeitsbedingungen, es bedeutet Respekt und Mitbestimmung. „Gute Arbeit“ ist gerechte Arbeit, ist Arbeit, die die Menschen als gerecht empfinden, und die ihnen wiederum eine gerechte Teilhabe an der Gesellschaft und ihrem Wohlstand ermöglicht.

Gute Arbeit stärkt also die Gerechtigkeit in einer Gesellschaft, und die wiederum – da wird Jesaja auch von der heutigen Wissenschaft bestätigt – bildet die Basis für individuelle Zufriedenheit, für sozialen Zusammenhalt, für demokratische Stabilität, und damit letztlich auch für ein friedliches Zusammenleben.

Deshalb bin ich sehr dafür, dass wir als Kirchen und als Gewerkschaften – und auch mit der Politik – gut und eng zusammenarbeiten für Gute Arbeit.

Als Gewerkschaften tun wir das konkret in unseren Branchen und Betrieben, und in dem wir unsere Anliegen in Öffentlichkeit und Politik vertreten. Dabei sind es die Gewerkschaften, die in der Arbeitswelt dem Verteilungskonflikt eine Richtung und Gestalt geben, und in zivilisierter Weise den daraus abgeleiteten Tarifkampf regelmäßig in einen Tariffrieden führen.

An dieser Stelle sei mir erlaubt, den Wunsch auszusprechen, dass diese Form der Interessenvertretung und der Friedensstiftung auch für die Beziehungen zwischen den Arbeitnehmer*Innen und der Kirche in der Rolle als Arbeitgeber eine segensreiche Entwicklung finden kann, indem das Sonderarbeitsrecht in diesem Bereich abgelöst wird.

Von der Kirche wünsche ich mir, dass sie weiter die Würde des Menschen als zentralen Wert betont, denn das ist auch der Kern von Guter Arbeit: Die gleiche Würde eines jeden Menschen, auch im Betrieb als Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer, egal auf welcher Stufe der Hierarchie.

Ich freue mich sehr, dass Sie, Frau Bischöfin, in diesen Fragen so klar und engagiert sind. Und ich freue mich über die Arbeit von Ihnen, Frau Pastorin Fallbrüg und Ihrem Team des KDA, die Sie so aktiv dabei mithelfen, den Wert der Würde in der Arbeitswelt zu stärken.

Ich freue mich, dass wir Heute gemeinsam beten und gleich auch gemeinsam demonstrieren: Für die Solidarität mit den Opfern des verbrecherischen Krieges, für die Solidarität unter den Menschen und Völkern weltweit, gegen Unterdrückung, Nationalismus und Krieg. Für eine solidarische Gesellschaft!

Dafür danke ich Ihnen, danke ich Euch.

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