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  • Jan Koltze

Bundespräsident ruft zu Geduld und Solidarität auf



Angesichts der Corona-Krise wendet sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an die Bürgerinnen und Bürger. Eindringlich ruft er zu Geduld und Solidarität auf. Zugleich bittet er um Vertrauen in die Regierungen in Bund und Länder. Und er hofft auf eine andere Gesellschaft nach der Krise. „Die Solidarität, die Sie jetzt jeden Tag beweisen, die brauchen wir in Zukunft umso mehr“, sagte er.

Nach dieser Krise werde es eine andere Gesellschaft geben. „Wir wollen keine ängstliche, keine misstrauische Gesellschaft werden. Sondern wir können eine Gesellschaft sein mit mehr Vertrauen, mit mehr Rücksicht und mehr Zuversicht.“ Zugleich äußerte sich der Bundespräsident optimistisch: „Wir können und wir werden auch in dieser Lage wachsen.“

Ausgesprochen eindringlich mahnte Steinmeier zu deutscher Solidarität innerhalb Europas. „Deutschland kann nicht stark und gesund aus der Krise kommen, wenn unsere Nachbarn nicht auch stark und gesund werden“, sagte er. „30 Jahre nach der Deutschen Einheit, 75 Jahre nach dem Ende des Krieges sind wir Deutsche zur Solidarität in Europa nicht nur aufgerufen - wir sind dazu verpflichtet.“

„Ja, wir sind verwundbar“, sagte Steinmeier über die Pandemie. Man habe vielleicht „zu lange geglaubt, dass wir unverwundbar sind, dass es immer nur schneller, höher, weiter geht“. Dies sei ein Irrtum gewesen. Er sei aber auch „tief beeindruckt von dem Kraftakt, den unser Land in den vergangenen Wochen vollbracht hat“. Steinmeier sagte: „So viele von Ihnen wachsen jetzt über sich selbst hinaus. Ich danke Ihnen dafür.“

Noch sei die Gefahr nicht gebannt, daher sei es „gut, dass der Staat jetzt kraftvoll handelt“. Der Bundespräsident appellierte: „Ich bitte Sie alle auch weiterhin um Vertrauen, denn die Regierenden in Bund und Ländern wissen um ihre riesige Verantwortung.“


Wir stehen jetzt an einer Wegscheide

Das Land stehe an einer Wegscheide, sagte Steinmeier. Schon in der Krise zeigten sich die beiden Richtungen, die man nehmen könne: „Entweder: Jeder für sich, Ellbogen raus, hamstern und die eigenen Schäfchen ins Trockene bringen? Oder bleibt das neu erwachte Engagement für den anderen und für die Gesellschaft? Bleibt die geradezu explodierende Kreativität und Hilfsbereitschaft?“

Steinmeier fragte, ob man auch nach der Krise der Kassiererin, dem Paketboten weiterhin die Wertschätzung schenke, die sie verdienten. „Erinnern wir uns auch nach der Krise noch, was unverzichtbare Arbeit - in der Pflege, in der Versorgung, in sozialen Berufen, in Kitas und Schulen - uns wirklich wert sein muss?“, fragte er rhetorisch.

Geben wir Acht aufeinander

Der Bundespräsident rief zu weltweiter Solidarität und gemeinsamen Anstrengungen gegen die Corona-Krise auf. „Suchen wir auf der Welt gemeinsam nach dem Ausweg oder fallen wir zurück in Abschottung und Alleingänge?“ Wissen und Forschung sollten geteilt werden, damit man schneller zu Impfstoff und Therapien gelange. Auch die ärmsten und verwundbarsten Länder müssten dazu Zugang haben.

Die Corona-Pandemie sei kein Krieg, sagte Steinmeier. „Sondern sie ist eine Prüfung unserer Menschlichkeit“, die das Schlechteste und das Beste in den Menschen hervorrufe. „Zeigen wir einander doch das Beste in uns.“ Seine Ansprache schloss der Bundespräsident mit den Worten: „Frohe Ostern, alles Gute - und geben wir Acht aufeinander.“

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