Paralympische und olympische Spiele in Hamburg: Warum die Gegner nicht Recht haben
- klages3
- vor 6 Stunden
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Die Einwände der Gegner gegen paralympische und olympische Spiele in Hamburg wirken so verdammt eingängig: Macht die Vorbereitung von Spiel- und Wohnstätten viel Aufwand? Ja, eindeutig. Kommt es während der Spiele zu Belastungen (mehr Menschen, mehr Verkehr usw.)? Ja, auf jeden Fall. Kostet das nicht viel Geld? Ja, klar. Und erzeugen die Spiele nicht zusätzliche klimaschädliche Emissionen (mehr Flugverkehr)? Ja, auch das.
Ist dann nicht klar, dass wir die Spiele lieber ablehnen sollten? Nein. Denn wenn man all diese Einwände absolut nähme, dürfte in Hamburg kein einziges Haus stehen, kein Betrieb arbeiten, keine U-Bahn fahren, keine Kita oder Schule existieren, keine Straße verlaufen (auch kein Fahrradweg), kein Fußballspiel stattfinden, kein Konzert, keine Theateraufführung und so weiter und so fort. Denn auf all diese Dinge treffen all jene Einwände zu. Warum bauen, erweitern, nutzen, genießen wir dann all das ganz selbstverständlich, mit Sicherheit auch die Olympia-Gegner?
Weil alle diese Bestandteile unseres städtischen Lebens, die alltäglichen wie auch die besonderen, für uns einen Mehrwert haben. All dies hat einen Nutzen, der den Aufwand rechtfertigt, der die Investitionen lohnt. Es ist immer eine Abwägung: Lohnt etwas die Mühe, die zeitweiligen Einschränkungen, die Ausgaben? Was wären eventuelle Alternativen?
Genau um diese Abwägung geht es auch bei paralympischen und olympischen Spiele: Welchen Mehrwert bringen sie uns? Rechtfertigt der den Aufwand?
Der Mehrwert für Hamburg ist vielfältig, sowohl materiell wie – vielleicht noch wichtiger – immateriell: Wir feiern ein großes Fest. Wir haben Freude, Spaß, Begeisterung (nicht alle, aber doch viele von uns, vor allem Kinder und Jugendliche). Wir geben Bewegung und Sport einen Push (also auch: Gesundheit), und zwar nachhaltig, denn die Infrastruktur für den Breitensport bauen wir ebenfalls aus. Wir bringen noch stärker die Inklusion ins öffentliche Bewusstsein und stärken die Akzeptanz für Investitionen in Barrierefreiheit. Wir beschleunigen den sinnvollen Ausbau unserer Infrastruktur (v.a. Verkehr), indem wir zusätzliche Milliarden dafür vom Bund generieren. Wir geben damit auch unserer Wirtschaft (Bau, Handwerk, Handel, Tourismus u.a.) einen zusätzlichen Anschub. Und so auch qualifizierten, guten Arbeitsplätzen. Und wir können zeigen, wie all dies sich vergleichsweise klimaschonend umsetzen und mit unseren ehrgeizigen Klimazielen vereinbaren lässt.
Der Mehrwert ist also unbestreitbar groß, und zwar so groß, dass er schon materiell den Aufwand bei weitem übersteigt – vom immateriellen Nutzen, der Lebensfreue gar nicht zu reden.
Aber muss man beim Aufwand nicht auch die Kosten für die Sicherheit einberechnen, also für die zusätzliche Arbeit von Polizei und Feuerwehr? Sind diese nicht zu hoch? Mit diesem Argument, dass die Gegner gerade leichthin herausstellen, sollten wir sehr vorsichtig sein. Denn was bedeutet das im Umkehrschluss? Es bedeutet, den Sicherheitsaufwand überall dort negativ zu berücksichtigen, wo Einrichtungen und Ereignisse potentiell von Gewalt bedroht sind, also etwa beim Heim für Geflüchtete, bei der jüdischen Schule, beim Christopher Street Day, beim queeren Jugendzentrum, bei der Demo für Klimaschutz, beim interkulturellen Straßenfest, ja bei jedem Weihnachtsmarkt. Wollen wir das wirklich? Es hieße in der Konsequenz, die Gewalttäter darüber bestimmen zu lassen, was wir tun und was nicht. Das wäre die Kapitulation der Demokratie. Deshalb sollte der leider nötige Sicherheitsaufwand nichts sein, was die Entscheidung über die Durchführung einer Maßnahme entscheidend beeinflusst. Öffentliche Sicherheit ist in der Demokratie ein öffentliches Gut, und muss es bleiben.
Bleibt noch eine letzte, aber tatsächlich ernsthafte Frage: Führen paralympische und olympische Spiele nicht zu steigenden Mieten? Diese Frage ist wichtig, denn anders als etwa London oder Paris gehört Hamburg (noch) nicht zu den wirklich hochpreisigen Städten, und das soll auch so bleiben. Das Leben in Hamburg soll bezahlbar bleiben, das ist unser Ziel. Ist der Verzicht auf die Spiele daher notwendig?
Nein. Denn entgegen den Behauptungen der Paralympics-Gegner ist dies kein zwangsläufiger Effekt, wie vergleichende Studien klar ergeben (s. https://www.br.de/nachrichten/bayern/verteuert-olympia-muenchen-den-wohnraum-faktenfuchs,UrCCCRP). Sondern es kommt entscheidend auf die Art und Weise der Durchführung und der begleitenden Politik an. Werden in großem Maße neue Gebäude oder gar ganze Stadtviertel errichtet, und legt es die Politik gezielt auf die Aufwertung der Viertel an, wie früher oft üblich, dann steigen wahrscheinlich auch die Preise und Mieten. In Hamburg tun wir jedoch genau dies nicht. Weder sind umfangreiche Neubauten geplant, die nicht auch unabhängig von Olympia entstehen (wie die Science-City in Bahrenfeld, die sowieso gebaut wird und nur temporär als olympisches Dorf dienen soll), noch legen wir es gezielt auf Aufwertung an.
Im Gegenteil: Weil die Mieten schon in den letzten Jahren gestiegen sind – also völlig unabhängig von Olympia – hat die Politik für bezahlbares Wohnen schon seit 15 Jahren für uns höchste Priorität. Und zwar mit Erfolg: Sowohl was die Förderung des Wohnungsbaus, v.a. des preiswerten und sozialen Wohnungsbaus betrifft, als auch mietenbegrenzende Regulierungen – in allem ist Hamburg seit 15 Jahren, seitdem wir den CDU-Senat ablösen konnten, bundesweit führend, weit vor allen anderen Bundesländern und Großstädten. Mit dem Ergebnis, dass die Mieten zwar auch in Hamburg noch steigen, aber längst nicht so rasant wie in den anderen großen Städten München, Berlin, Frankfurt oder Stuttgart. Diese erfolgreiche Politik werden wir fortsetzen, so dass uns auch paralympische und olympische Spiele nicht sorgen müssen.
Kurzum: Die Behauptung der Gegner, die Austragung der Spiele stünde einer sozialen und ökologischen Stadtentwicklung entgegen, trifft nicht zu. Ihre Einwände sind nicht stichhaltig. Im Gegenteil: Mit einer erfolgreichen Bewerbung können wir ein starkes friedliches Zeichen der Zuversicht setzen in unserer so krisenhaften Zeit. Und wir können Hamburgs Entwicklung einen starken positiven Impuls verleihen – einer Entwicklung, die allen Hamburgerinnen und Hamburgern zugutekommen kann.
P.S. Falls sich jemand wundert, dass ich in diesem Text die paralympischen und olympischen Spiele in dieser Reihenfolge nenne, oder auch mal nur von Paralympics spreche: Für mich sind die Spiele der Menschen mit Behinderung genauso wichtig und wertvoll wie die anderen, mehr noch, sie sind ein immens wichtiges Zeichen für Gleichberechtigung und Inklusion.




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